Von Eva Brunner und Hubert Müller-Bauer
Samstag 14. Juni 2008, 06:30 Uhr:
An einem wunderschönen Frühsommermorgen stehen Hubert und ich vor der Kapelle in Duniwang und erbitten von Gott den Segen für ein Vorhaben der ganz besonderen Art. Wir wollen auf einer Route, fernab vom Straßenverkehr, unseren Herrn in der Fülle seiner Schöpfung erfahren und eine Pilgerreise nach Altötting wagen.
Als wir den Obstgarten in Richtung Au verlassen singt wie zum Abschied eine Goldammer. Der typische Ruf lässt mich umblicken und ich erspähe den Vogel auf der obersten Spitze eines kleinen Birnbaumes. Den größten Baum wollte er wohl nicht wählen aber das oberste Zweigerl musste es dann doch sein.
Der Weg führt uns zunächst über die Felder auf den friedlichen Isarradweg. Mit Blick auf den gemächlich fließenden Fluss wandern wir durch den noch taufeuchten Auwald. Das Licht bricht sich romantisch im Frühlingsgeäst und lässt uns blinzeln, wenn wir einer Bewegung auf der Wasseroberfläche folgen wollen. Schon auf Höhe des „Fischerhütterls“ bei Piflas grüßt uns die Basilika St. Martin mit dem größten Backsteinturm der Welt. Den Martinsturm am Horizont als Wegweiser anvisiert, biegen wir in Piflas ab um dem renaturierten Bett der Pfettrach mit ihrem schönen Wiesensaum zu folgen. Durch die Stadt Landshut wandern wir wieder an der Isar entlang immer zu auf dem beschilderten Isarradweg. Als wir am Stadttheater vorbei gehen, empfängt uns die Ringelstecherwiese in sattem Grün und von Oben her blickt auf uns die Burg Trausnitz mit stolzem Gruß. Es kommt uns so vor, als wolle sie uns mit ihren bunten Fahnen nachwinken und uns viel Glück auf unserer Reise wünschen. Voller Freude darauf, was uns dieser Weg bringen wird, gehen wir weiter um nun nach den ersten 12 Kilometern die gewünschte Himmelsrichtung einschlagen zu können – Süd/Ost.
Dem Isar-Vils-Radweg folgen wir am Rossbach entlang bis Kumhausen. Bei der Überquerung der B15 unter der Bahnbrücke ist Vorsicht geboten, aber diese nehmen wir in Kauf, um unseren Weg entlang des linken Bachufers fortsetzen zu können. Nur ein kleiner Trampelpfad ist es, der uns im Rücken der Häuser immer entlang des munteren Bächleins aus der Ortschaft hinaus führt. Zwei Stunden Fußmarsch liegen hinter uns und wir fühlen uns bereit für das kommende Abenteuer. Aus dem Schatten der Bäume heraus tretend marschieren wir auf einem Feldweg, welcher immer wieder mit kleinen Mulden versehen ist, in dem die Vögelein ein Sandbad nehmen, auch die Goldammer. Unterhalb der Bahnstrecke Landshut – Salzburg gehen wir an üppigen Getreidefeldern vorbei um nach etwa einer viertel Stunde an der „Spitzelberger-Mauer“ Rast zu machen. Der Politiker Maximilian Spitzlberger, ein Landshuter Urgewächs, erbaute diese Mauer als sein Lebenswerk. Unterschiedlichste Granit- und Sandsteinblöcke, Grabsteine und behauene Felsbrocken errichtete er als ein für sich bestimmtes Denkmal. Leider war es ihm nicht vergönnt, sein Werk zu vollenden. Der Niederträchtigkeit der Menschheit als Beispiel dienend, verschwinden immer mehr dieser Steinblöcke auf rätselhafte Weise.
Die ersten Hügel des tertiären Hügellandes bezwingend, setzen wir unseren Weg in Richtung Geisenhausen fort. Wie gelegen kommt uns da das offene Tor des Kreislehrgartens in Siegerstetten. Die freundlichen Gärtner geben uns einen kurzen Einblick in die Besonderheiten der Obstbaum-Sammlung und erquicken die braven Pilger auch noch mit selbstgepresstem Apfelsaft und einer Brotzeit. So gestärkt setzen wir unseren Weg bei strahlendem Sonnenschein fort. In Obergangkofen verlassen wir den Isar-Vils-Radweg um den Weg etwas abzukürzen. Der eingeschlagene Weg erweist sich als wahrer Naturschatz. Auf dem Feldweg beobachten wir bunte Schmetterlinge die sich an den Mineralien der Wasserlachen gütlich tun, Wiesenflockenblume und sogar Kornblumen entdecken wir in den Weizenschlägen rund um Narrenstetten. Und wieder grüßt uns unsere liebe Begleiterin die Goldammer welche bei der größten Mittagshitze auf einem Holzpflock der Pferdekoppel sitzend ihr typisches „Ziziziziziiii“ singt. Im Volksmund wird der Gesang “ wie wie wie hab ich Dich liiiieb “ übersetzt. Eine sehr schöne Übersetzung wie wir finden.
Die Vielfalt der Feldfrüchte, Dinkel, Gerste, Saubohnen, lässt uns studieren und bald entdecken wir immer öfter Schilder in den Feldern, welche den Vorbeikommenden über die Gesinnung des Bauern als überzeugten Ökolandwirt aufklären. Hier im südlichen Landkreis Landshut findet schon seit vielen Jahren ein starkes Umdenken der Bauern, hin zum naturnahen, ökologischen Landbau statt. Der Weg schlängelt sich weiter durch die Fluren hinauf zu einem schönen Wald, vor dessen starken Stämmen sich eine etwa ein Hektar große Wiese schmiegt. Der Anblick der Wiese lässt unsere Jägerherzen sofort ein paar Takte schneller schlagen, glauben wir doch beide fest daran in der nächsten Sekunde einen Rehbock erblicken zu müssen – ich jedenfalls hätte mich hier als Rehbock sehr wohl gefühlt. Der erhoffte Anblick blieb uns jedoch verwährt. Dort oben blicken wir zurück und fühlen uns, beim Anblick der niederbayerischen Heimat in der Seele berührt und von Gott geleitet.
Gut gelaunt setzen wir unseren Weg fort und erfreuen uns bald an einem schönen Blick, oberhalb Hörlkam auf Geisenhausen. Wir sind jetzt ca. 6 Stunden unterwegs, davon fünf Stunden Gehzeit. Eine gewisse Müdigkeit ist nicht zu leugnen, aber dennoch wollen wir unserem Tagesziel Vilsbiburg näher kommen. Wenig weiter, in Feldkirchen bei Geisenhausen, kämpft der Hubert mit einem Wadenkrampf. Eine Dosis Magnesiumpulver hilft ihm aber dann wieder auf die Beine. Leider ist es uns nicht immer gelungen fernab vom Straßenverkehr zu wandern, ein kurzes Stück von Geisenhausen bis Linden ist solch eine Strecke. Aber auch diese ist überwunden und wir können wieder in Gottes gesegneter Natur unseren Weg fortsetzen. Von Gallersgrub bis Aukam geht es durch einen schönen Wald, das Frauenholz, die Beschaffenheit des Weges ist hier etwas abenteuerlich, aber auch das gehört zu unserer Exkursion dazu. Und die Begegnung mit einem, wohl aus seinem Mittagsschläfchen geweckten Fuchs ist uns hierfür gerechter Lohn. Als wir vom Wald heraus kommen ergibt sich abermals ein schöner Blick auf das geliebte Bauernland und unter dem Schutz eines schönen Feldkreuzes finden wir endlich den rechten Platz um uns ein Stündchen Pause zu gönnen. Beim Gesang des lieb gewonnenen „Bauernkanari“ gleiten wir bald in den verdienten Schlaf.
Ausgeruht aber doch die ungewohnte Anstrengung in den Knochen spürend geht es auf zur letzten Etappe für heute. Kurz vor Seidlhub entscheiden wir uns für den Weg links ab vom Isar-Vils-Radweg nach Stadel und Vilsbiburg. Hier angekommen langweilen uns die letzten Schritte sehr, geht es doch anders als bis jetzt gewohnt durch das Gewerbegebiet mit all seinen uncharmanten Gesichtszügen. Wir erleben geradezu einen Kultur-Schock. Die unendliche Ruhe und Gelassenheit der freien Natur ist verschwunden und wir fühlen uns deplaziert und einfach nur müde! Etwas erfreulicher wird die Situation, als wir auf den neu renovierten Stadtplatz von Vilsbiburg kommen, der für südbayerische Städte typische Baustiel schmeichelt dem Auge und lässt den Stadtplatz mit seinen Geschäften zu einem Ort der Kommunikation und Begegnung werden. Nach genau 10 Stunden Wandern beziehen wir hier unser Quartier und nach einer erfrischenden Dusche und einem Fußbad fühlen wir uns wieder soweit hergerichtet, dass wir mit großem Hunger nach einem Abendessen Ausschau halten.
Sonntag, 15. Juni 2008, 06:00 Uhr:
Der Tag empfängt uns etwas bewölkt und nicht sehr munter, das passt eins zu eins zu unserer Stimmung. Wir bestätigen uns zwar gegenseitig gut geschlafen zu haben, aber die gestrigen Kilometer lasten schwer auf unseren ungeübten Gebeinen. Bei einem ausgedehnten, nahrhaften Frühstück beratschlagen wir die weitere Vorgehensweise und kommen zu dem Schluss, dass wir auch die heutige Etappe mit allen Sinnen genießen wollen und uns nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Die Strecke von gut 50 Kilometern ist für uns an einem Tag nicht zu schaffen, dennoch wollen wir dieses Pilgerwochenende mit dem Einzug in Altötting abschließen. Wir beschließen also mit der Bahn von Vilsbiburg nach Neumarkt St. Veit zu fahren um uns ein „Zeitpolster“ für den restlichen Weg zu verschaffen. Von dort soll es dann in gewohnter Weise auf „Schusters Rappen“ weiter gehen.
Gesagt, getan! Die Fahrt mit dem Zug war recht schön und nicht nur unsere Stimmung hat sich schlagartig aufgehellt. Um 8:15 Uhr stehen wir frohen Mutes am Bahnhof in Neumarkt St. Veit und marschieren gelöst Richtung Altötting. Sich in größeren Ortschaften zu Recht zu finden ist nicht ganz einfach und kostet schon die ersten Nerven. Oberhalb des Klosters haben wir endlich wieder Naturboden unter den Füßen und die Sonne wärmt so ordentlich, dass wir uns erster Kleidung entledigen. Das Bündel neu geschnürt geht es auf einem reizenden, mit dem Rasenmäher ausgeschnittenen Pfad eine Anhöhe hinauf. Der Pfad bildet einen kleinen Hohlweg und das hohe Gras und die Heckenrosen links und rechts des Weges hängen zu uns herab, so dass ich unweigerlich an die Geschichte des Moses denke, wie er die Israeliten durch das Meer führt! Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine innere Gewissheit, dass der Herr bei mir ist, als auf dieser Pilgerreise. Es tut gut, sich Zeit zu nehmen um seine Umgebung so intensiv wahrnehmen zu können. Auch der Hubert ist fasziniert von den Geräuschen der Natur, welche man im Alltag gerne überhört. Wir lauschen eine Zeit lang dem Summen der Schwebfliegen, ganz besonders freut uns das Zirpen einer Feldgrille, die haben wir Daheim als Kinder hinten auf der Wiese mit Strohhalmen aus Ihren Bauen gekitzelt erzähle ich dem Hubert. Und wieder erklingt das „Ziziziziziiii!“
Im angrenzenden Holz wundern wir uns über die aufgestellte Beschilderung. Es dauert nicht lange und wir begegnen einem Spaziergänger mit seinem Hund, im Übrigen einem der wenigen Menschen auf unserer Strecke. Beim Gespräch über den richtigen Weg erfahren wir, dass es in Neumarkt einen Wanderverein gibt, welcher diesen von uns so lieb gewonnenen Spazierweg in Ordnung hält und zudem am heutigen Tag einen kleinen Wandermarathon organisiert. Wir bedanken uns für das nette Gespräch und treffen auch bald auf den ersten Streckenposten, der für die angemeldeten Wanderer Getränke und Bananen bereit hält. Unsere „Stielaugen“ auf das Dargebotene wurden geschickt ignoriert und deshalb zogen wir bald weiter. Von Unterscherm bis Brandlhub müssen wir wieder auf der Straße gehen, es ist aber nicht viel Verkehr am Sonntagvormittag und die gerade Strecke empfinden wir geradezu als Abkürzung, ist sie doch allem Anschein nach der direkteste Weg zu unserem Ziel. In der Ortschaft Stetten machen wir um 11:00 Uhr neben einer Kapelle Rast um die Blasen an Huberts Füßen zu verarzten. Wir verlassen bald danach den Landkreis Mühldorf. Über einen schönen Waldweg kommen wir schließlich nach Pleiskirchen, wo wir uns, nicht ohne Grund, für den kürzeren Weg entscheiden. Dieser führt aber recht kommod am Golfplatz von Walding vorbei und der Hubert meint, dass er unter anderen Umständen den Platz gerne etwas näher besichtigt hätte. Aber wir sind sogar für den Umweg zum 200 Meter entfernten Terrassenplatz beim Clubhaus zu unmotiviert und flacken uns lieber unter einen Baum der uns wie wir hoffen vor zu tief fliegenden Golfbällen schützen wird. Wie ich so im Gras liege und mit den Ameisen um den besten Platz auf meinem Wetterfleck kämpfe, fällt mir auf, dass es nicht mehr oft vorkommt, dass ich so unkompliziert in einer Wiese liege. Heut zu tage liegt man lieber auf einer Liege oder in einem bequemen Sessel im Garten. Auch so kann man die „Bodenhaftung“ zur Natur verlieren.
Die Anstrengungen der Wandertour können wir nicht mehr leugnen und als wir die Schuhe wieder angezogen haben und unser Graffl wieder eingepackt haben können wir es fast nicht glauben, das Aufstehen ist so schwer, als wären unsere Beine mit Beton ausgegossen. Jammernd aber auch witzelnd ziehen wir von Dannen. Diese Pause hat uns eine dreiviertel Stunde gekostet, aber das ist uns gleichgültig, es ist zehn Minuten vor zwei und noch sehen wir uns nicht im Zeitzwang. Die Straße führt jetzt steil bergab, was unsere Wadln nicht gerade begeistert, aber nach ein paar Minuten des Warmlaufens ist nichts mehr zu spüren. Die Klause in Engfurt wurde uns schon im Vorfeld als schöner Biergarten und geeigneter Rastplatz empfohlen. Wir kehren also ein und machen es uns auf einem Bankerl vor dem Haus gemütlich. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Endzwanziger, welche keine Scheu haben ihre Streitigkeiten mit der so geliebten Partnerin dem ganzen Biergarten mit zuteilen. Nach so vielen Stunden der Ruhe und der Einigkeit mit der Natur sind uns diese Leute zuwider und wir trinken schnell aus. Um 15 Uhr sind wir wieder auf der Strecke und wandern jetzt im Inntal entlang und können es fast nicht glauben, vor uns entdecken wir am Horizont die Spitztürme von Altötting! Das gibt uns einen kleinen Auftrieb, wobei wir schon sehen, dass die Entfernung noch gewaltig ist. Bis Winhöring geht es auf einer kleinen Straße später auf einem Feldweg voran. Die Landschaft empfinden wir nicht mehr als so reizvoll, es ist irgendwie zu flach und das Auge stört sich an Gewerbegebieten, Baustellen und der Zerstörung der Natur zu Gunsten der Wirtschaftlichkeit. Mir geht es Konditionell erstaunlich gut, nur stehen bleiben mag ich nicht. Anders beim Hubert, er hat sehr unter den Blasen an den Füßen zu leiden und hinkt zum Erbarmen. In maßloser Selbstüberschätzung frage ich ihn ob er lieber per Anhalter zum Ziel fahren möchte. Ich hab mir keiner Gedanken gemacht wie es ist den Rest der Strecke alleine zu gehen, ich weiß nur, ich kann nicht stehen bleiben. Er knurrt empört zurück und wir gehen eine Zeit lang schweigend neben einander her. Ob er grad die Goldammer gehört hat mag ich ihn jetzt nicht fragen. Kurz vor Winhöring kommen wir auf einen Stauweiher von dessen kurzer Seite es eine direkte Verbindung über die B299 geben müsste. Wir können aber keinen Weg, nicht einmal einen Wildwechsel ausfindig machen und müssen so die wesentlich längere Strecke durch die Ortschaft in Kauf nehmen. Das kostet uns gut eine halbe (!) Stunde und wir sind drauf und dran dem hiesigen Bürgermeister einen Beschwerdebrief zu schreiben. Nach der Unterführung der Bundesstraße wird die Gegend wieder etwas schöner. Wir kommen durch einen Reiterhof, mit liebevoll gestalteten Blumenbeeten und lachenden Teenagern, welche mit Hingabe ihre Pferde striegeln. Ein nagelneuer Feldweg führt hier zur Überführung des ebenfalls neugebauten Teilstückes der A94. Und hier passiert es. Als wir die etwas eigenartig, stark gebogene Brücke überschreiten gibt es mir einen gewaltigen Stich im linken Knie.
Allen Unkenrufen zum Trotz hatte ich bis hier hin keine nennenswerten Schmerzen, ja, der Rucksack schneidet an den Schultern ein und die Nackenmuskulatur ist verkrampft aber das war alles nichts gegen diesen Schmerz, der mich ab jetzt begleiten sollte. Entlang des Innradweges arbeiten wir uns monoton wie zwei Robotter vorwärts. Wie kann es sein, dass wir in Winhöring einen Wegweiser mit der Angabe 5 Km bis Altötting gesehen haben und wir doch die gefühlte 10 km Strecke längst überschritten haben?!
Ein gewisser Galgenhumor macht sich breit und wir zählen einer dem anderen unsere Wundmale auf.
Eva: Ballen rechts - schmerzt; Hüfte beidseits - schmerzt; Knie links - dramatisch
Hubert: Ballen links - etwas bösartig; Hüfte beidseitig - schmerzt; Schulter/Nackenbereich - ohne Gefühl.
Vor lauter Eigenmitleid gleitet mir der Wanderstecken aus der schwachen Hand und ein Aufschrei geht durch den Auwald. Wer soll sich diese Strapaze antun und den Stecken aufheben? Ich hab ihn natürlich selber aufgehoben und mir geschworen, dass mir so ein Missgeschick nie wieder passieren wird.
Trotz alle dem sind wir aber einstimmig der Meinung, dass wir immer noch den starken Willen haben unser Ziel zu erreichen.
Der Weg will einfach kein Ende nehmen und macht unseren Blick zusehends trüb für die Schönheit der Natur am Wegesrand. Der Inn fließt mächtig neben uns her und auch die prächtig gefärbten Stockentenerpel bemerken wir nicht mehr. Abermals müssen wir einen Stopp einlegen um uns bei einem Radfahrer zu versichern ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Die Schmerzen in den Oberschenkeln sind kaum zu beschreiben, welche mich peinigen, nachdem ich mich eine Minute später wieder in Bewegung setzten soll. Es ist ein Gefühl als wären die Muskelstränge vollkommen unflexibel und reißen in tausend Fetzen bei jedem Schritt. Der freundliche Radler gibt uns aber einen wertvollen Tipp, wie wir unser letztes Wegstück noch abkürzen könne. Dies kommt uns natürlich sehr entgegen und wir strahlen geradezu, als wir auf den beschriebenen Feldweg einbiegen. Wir wandern in nun gewohnt kleinen Schritten auf Neuötting zu. Ab hier fragen wir uns durch, die vermeintlich nahen Kirchenglocken schlagen halb sechs. Es zieht sich endlos hin und die angekündigten 30 Minuten Gehzeit zum ersehnten Ziel sind mittlerweile vor eineinhalb Stunden ausgesprochen worden. Mir kommen unchristliche Gedanken!
In einem parkähnlichen Waldstück weiß ich mir keinen anderen Rat mehr meine müden Knochen in Bewegung zu halten als laut den Kaiserjägermarsch zu singen. Der Hubert schaut mich entgeistert an und stimmt aber dann ebenfalls mit ein und beide sind wir überrascht, wie gut diese Art von Ablenkung funktioniert. Nicht umsonst wurden diese Marschlieder komponiert.
Nach einer kurzen Weile vergeht uns auch das Singen und als wir um ein Hauseck biegen stehen wir völlig unerwartet vor dem Kapellenplatz – geschafft, geschafft!